| 28.01.2010: "Achtung! Aufnahme!" |
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Wer kennt das nicht? Plötzlich tauchen aus dem "Nirvana der Zeit" Termine auf, mit denen man so jetzt nicht wirklich gerechnet hat und auf die man eigentlich auch völlig unvorbereitet trifft. Weihnachten ist so ein Termin. Oder Silvester. Jahresenden kommen besonders in zunehmendem Alter immer häufiger und ohne jegliche Ankündigung. Und da möchte ich jetzt auch nichts von subjektiver Wahrnehmung hören. Ähnlich verhält es sich mit dem eigenen Geburtstag, verstärkt mit dem der Frau oder dem Hochzeitstag für diejenigen, die einen gültigen haben. Heute stellte ich dann fest, dass morgen der letzte Tag des Monats war, in dem mein Auto zum TÜV musste. Auch so ein "ich-sah-ihn-nicht-kommen"-Termin. Erstaunlich, wie gut sich solche Ereignisse trotz ihrer elementaren Existenz dem Bewusstsein eines Individuums - in diesem Fall also mir - entziehen können. Dabei hätte es mir schon längst wieder gegenwärtig sein müssen. Schließlich liegt schon seit Monaten ein neuer Außenspiegel im Kofferraum, der mir jedes Mal beim Öffnen mein Gesicht zeigt und zu flüstern scheint: "Montiere mich. Montiere mich!" An sich wäre das auch die richtige Entscheidung gewesen, da der alte Spiegel "grob getaped" schon seit langem um Erlösung flehte. Warum der überhaupt leidete, lasse ich hier besser unerwähnt. Nur soviel habe ich zu meiner Frau gesagt: "Das Haus hat sich nicht bewegt." Jedenfalls bin ich handwerklich eher minderbemittelt, was zu meiner "Mache-ich-noch"-Schwäche entwickelte und mich nötigte, kurzfristig noch eine Werkstatt aufzusuchen. Natürlich nachdem ich dem bordeauxroten Astra Caravan F Baujahr 1997 einen vom Schrottplatz organisierten Außenspiegel in smaragdgrünmetallic verpasst habe. Aber was sind schon Farben?! Unter der gepflegten Dreckschicht sind alle Farben grau. Den Wagen habe ich morgens abgegeben mit dem Hinweis mich anzurufen, wenn was unklar sei. Um 9h30 klingelt mein Telefon im Büro und der Werkstattmeister war dran: Er: "Ich habe mir Ihren Wagen grob schon mal angeschaut, bevor der Prüfer kommt." Ich: "Und?" Er: "Ich sag mal so: Pech für Sie, dass es die Abwrackprämie nicht mehr gibt!" Im letzten Jahr habe ich fast zweitausend Euros an Instandhaltungskosten investiert. Vor wenigen Wochen gab es noch eine neue Batterie. Und das Wichtigste: Der Außenspiegel. Das darf doch nicht umsonst gewesen sein? Obwohl: Umsonst war der auch nicht. Hat immerhin noch dreißig Ocken gekostet. Kurzfristig zog sich in mir alles zusammen, bis dieser "Atze-Schröder-für-Arme" auf mein Schweigen reagierte. Es seinen doch nur Kleinigkeiten und er sähe der Hauptuntersuchung optimistisch entgegen. Ich wollte ihm gerade sagen, was er sich gleich entgegen sehen darf, da fuhr er (verbal) fort und erzählte was von Wischblättern, Ölwechsel und Lambdasonden. Hä? Lambdasonden? "Lambda" kenne ich nur aus der Mathematik in Verbindung mit "Mü" und Vektorenrechnung. Und Sonden werden doch ins All geschossen, oder? Damit war alles klar: Ich habe eine Raumstation in meinem Auto. Nein, mein Auto IST eine Raumstation. Ich wusste schon immer, dass mein Wägelchen was ganz besonderes ist. Und was haben "Not About Us" und mein "Astra" gemeinsam? Na? Ist doch klar: Das "A", das "T" und das "S". Ha, ha. Ein Wahnsinnsgag. Ein Knaller. Ein humoristisches Highlight. Oder aber der plumpe Versuch zwei Handlungsstränge zu verknüpfen, die aber auch absolut nichts gemeinsam haben. Darum so: Themawechsel! Wer glaubt, dass das Spielen in einer Band reines Vergnügen sei, den muss ich jetzt eines besseren belehren. Insbesondere die Ereignisse der jüngsten Vergangenheit sollten uns nachdenklich stimmen und in Erwägung ziehen lassen, nicht Geld für unser gesamtes Engagement zu nehmen. "Ja genau? Warum machen wir das ganze eigentlich nicht hauptberuflich?" … "Was?" … "Warum nicht?" … "Ach ja? Hm, das ist jetzt aber doof." Jemand müsste unsere Musik kaufen. Jetzt dachte ich echt, ich hätte einen Geistesblitz gehabt. Die Eingebung des Lebens, die alles anders werden lässt. Dann müssen wir uns eben auch künftig selbst mit Themen wie Renovierungsarbeiten, Ausstattungsproblemen, Sicherheitsaspekten, Stromversorgung, Reinigungsarbeiten, Aufräumaktionen, Entsorgungstechniken, Versicherungsfragen, elektronischen Prüfungen und terminbedingten Organisationsverschiebungen herumprügeln. Da kann durchaus in Vergessenheit geraten, warum wir uns eigentlich regelmäßig treffen. MUSIK MACHEN! Es mag ein Akt der Verzweiflung gewesen sein, dass wir gestern eine rote Lampe aufgestellt haben um auch uns selbst zu signalisieren: Wir sind auf Sendung. Aufnehmen im eigenen Proberaum ist immer so eine Sache. Insbesondere, wenn es sich um Instrumente handelt, die nur per Mikrofon abgenommen werden können. Ich sag da mal: Schlagzeug. Und dann ist das nicht nur ein Mikro, sondern Sieben. Damit sich der Michael jetzt während der Aufnahme beim Trommeln nicht zwischen all den Strophen, Refrains, Bridges und Soli verirrt, benötigt er Orientierungshilfen. Die kann er zum einen durch leises Mitsingen erfahren, wenn man gerade eine Sängerin zur Hand hat, die aber wiederum nicht im gleichen Raum stehen sollte, da man sie sonst auf den Aufnahmespuren hören würde. Falls gerade keine Sängerin greifbar ist geht auch ein Gitarrist, der hinter einem Pfeiler sich dem Einzugsbereich der Mikrofone versteckend drei Oktaven tiefer "Left Outside Alone" eingrunzt, um im Frequenzbereich von Bass Drum und Blähungen nicht entdeckt zu werden. Diese Variante hat allerdings den Nachteil, dass sowohl Henker (Gitarrist) als auch Delinquent (Schlagzeuger) maximal die Hälfte eines Songs einspielen können, bevor sie wegen akuter Atembeschwerden aufgrund intervallartiger Zuckungen im Bereich des Zwerchfelles in ihrer Ausführung beeinflusst werden. Oder anders formuliert: Die bepissen sich vor Lachen! Darum haben wir auch auf Plan B zurückgegriffen bzw eine andere Linie eingeschlagen. Die Line 6 oder auf English:"Lain Six". Dass heißt jetzt nicht, dass wir mir der Duisburger U-Bahn von Bruckhausen nach Marxloh gefahren sind, um den Sound neu zu erfinden. Beim Line 6 handelt es sich - für alle nicht mit der Materie vertrauten - um einen Gitarrenampsimulator. Das kommt nicht von ungefähr mit dem simulieren. Also so, als ob jemand vorgibt krank zu sein; es aber nicht wirklich ist. So ungefähr hörte sich der Gitarrensound aus der Konserve zunächst auch an. Hatte ein bisschen was von Zigarrenkistenbanjo im Abwasserkanal. Dabei soll das Teil eigentlich recht gut sein und ich konnte kaum glauben, dass das nicht besser gehen soll. Doch nach kurzem Studium der Bedienungsanleitung ("Read the fuc…g manual") drehte Olli ein paar Knöpfe und ein akzeptabler Sound erklang dann endlich aus den Boxen. "Wozu das alles", werden sich einige von Euch jetzt fragen, die sich mit der Materie "wie-bringe-ich-meinen-Sound-auf-Platte" noch weniger auskennen als wir. Also: Wenn der Gesang schon nicht mit auf die Drumspuren soll, dann gilt das natürlich auch für die sanften Töne von Paul und mir und erst recht für die 130 Dezibel aus Ollis Gitarrenamp. Da der Sound von uns jetzt nur noch durch die Leitungen bis in die Kopfhörer gleitete, waren wir in den Lage unseren Trommelbarden zu begleiten, wobei nur noch der Sound von Michas Schießbude durch den Raum schallte. Die Nebengeräusche durch das Drücken meiner Tasten und das Greifen der Saiten nahmen wir jetzt einfach mal als zu akzeptierendes Restrisiko. In der Tat sind wir schlichtweg begeistert, was für Möglichkeiten wir mittlerweile im eigenen Proberaum haben. Noch vor zehn Jahren waren wir fasziniert, wenn wir mit einem in der Raummitte aufgestellten Mikro eine Aufnahme (auf MC!!!) zustande brachten, auf der alle irgendwie halbwegs zu hören waren. Und das war selten der Fall. Heute können wir sogar die Drums auf Einzelspuren aufnehmen. "Sorry..ich muss…also, ich bin so gerührt…meine Nase…Moment bitte…" ***SCHNORCH***TRÖÖT***SCHRONZ***ROTZ*** "So. geht wieder!" Also, ich muss das jetzt einfach mal für alle lesbar sagen: Ich bin so stolz auf das, was wir mittlerweile alles können - also neben der Musik. Vor allem auf den Olli, der meine volle Bewunderung - und da spreche ich sicher für alle anderen Bandmembers - hat, weil er immer weiß, welche Knöpfe zu drehen und zu drücken sind. Seinen Schaltplan unserer Proberaumverkabelung rahme ich demnächst ein, hänge ihn auf, werde versuchen ihn zu verstehen und ihn dennoch immer für einen Schnittmusterbogen halten. Dann konnten wir auch endlich anfangen, mit der Aufnahme unserer eigenen Songs zu beginnen. So spielten wir 2-3mal "World Through My Eyes" und "Angel Of The Underworld". Das Schöne für uns "Nicht-Drummer" ist, wir hätten auch "Alle meine Entchen" spielen können, solange der Michael sich auf die Richtigkeit seines Spiels konzentriert. Machten wir natürlich nicht, weil wir schließlich den Michael unterstützen und nicht verwirren wollten. ***SCHLEIM-MODUS EIN*** Lieber Michael, wir lieben Dich. Wir wollen Dich und keinen anderen. Selbst wenn Du "unrhythmisch" spielst, so ist das - Balsam für die Seele - Gold für die Bandkasse - drei Punkte für den MSV - Klett für den Verschluss - Kohle für das Feuer - Labello für die Lippen, - Klopapier für den… ***KLOCK***AUA!!!*** ***SCHLEIM-MODUS AUS*** "One Life Divine" nahmen wir auch noch in Angriff. Doch nach den bereits vergangenen 2 ½ Stunden Aufnahmezeit und den zuvor schon abgespulten 8 Stunden in der Welt der arbeitenden Bevölkerung, war die Schmerzgrenze definitiv erreicht. Wenn der Klick taktisch eingekreist wird, ist es Zeit aufzuhören. Aber wenn die Drums der ersten beiden Songs brauchbar sind, können nach und nach alle anderen "an die Arbeit" gehen und den Songs mit jeder weiteren Spur Leben einhauchen. Damit wir die Songs endlich auch dann hören können, wenn wir nicht proben und auch unserer "Fangemeinde" und der "Öffentlichkeit" präsentieren können. ***TRÄUMMODUS EIN*** Vielleicht werden wir doch noch entdeckt: - GELD - RUHM - SCHLÜPFER AUF DER BÜHNE ***KLOCK***AUA!!!*** - Groupies ***KLOCK! KLOCK! AUA!!!*** ***TRÄUMMODUS AUS*** Nächste Woche geht's weiter. "One Live Divine" 2.0. Dazu "Apologize" und "Surrender". Ok, die beiden letzten werden sich wohl erst im Laufe der Aufnahme entwickeln. Aber das werden sie. Das sind schon fünf Songs, die bisher noch nicht auf CD-R existieren. Vielleicht noch 2-3 neue mehr (da fällt uns sicher noch was ein) und 2-3 der "alten" im neuen Design mit Elke und Michael. Uns wird jedenfalls nicht langweilig, zumal auch noch 3-4 Coversongs aufgenommen werden sollen, um uns für den ein oder anderen "Covergig" zu bewerben. Die Bandkasse füllt sich schließlich nicht von alleine. Für all unsere Vorhaben ist einmal pro Woche proben mittlerweile echt zu wenig. Am Ende der Probestunden sind noch so viele Ideen umzusetzen. ***TRÄUMMODUS EIN*** Vielleicht doch hauptberuflich? ***KLOCK***AUA!!!*** Aber am 24.02.2010 sind wir doch zwischen 21h und 22h auf WDR2 im Radio zu hören. Vielleicht bekommen wir einen Major-Deal?!?! ***KLOCK! KLOCK!***AUA!!!*** Aber wenn ein Produzent… ***KLOCK!KLOCK!KLOCK!***AUAAAA!!!***IS' JA GUT. ICH HAB'S KAPIERT*** Vielleicht habe dafür ich nächste Woche eine neue Eingebung, wenn mein Bewusstsein mit Weisheit geflutet wird. Da werde ich nämlich so alt wie die Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens. Quizfrage: Wie alt werde ich? Ein Tip: Die Antwort findet Ihr in "Per Anhalter durch die Galaxis"! Yours Harry Onestone |