| 15.05.2010: Transponierte Transpiration |
|
|
|
|
Was das bedeutet, der muss warten und weiter lesen. Es hängt jedenfalls mit unserem ersten Gig des Jahres im Meidericher Parkhaus zusammen. Und das kam so: Im Zuge der Nicole’schen Familienzusammenführung (Nicole bei uns, Ihre Schwester bei Big Belly Boom und der Freund der Tochter der Schwester bei Big Belly Boom und Trijhanity) kam es zum musikalischen Dreierpack an der Bürgermeister-Pütz-Str. Dass der allerdings tatsächlich Bürgermeister der Stadt Duisburg gewesen sein soll, halte ich für ein Gerücht: Bürgermeister der Stadt Duisburg seit 1873: - 1873 - 1879: Friedrich Wilhelm Wegner - 1879 - 1914: Karl Lehr - 1914 - 1933: Dr. Karl Jarres - 1933 - 1934: Dr. Ernst Heinrich Kelter - 1934 - 1937: Just Dillgardt - 1937 - 1945: Hermann Freytag - 1945 - 1947: Heinrich Weitz - 1947 - 1948: Dr. Leo Storm - 1948 - 1969: August Seeling - 1969 - 1974: Arnold Masselter - 1975: Ernst Ermert, Ratskommissar - 1975 - 1997: Josef Krings - 1997 - 2004: Bärbel Zieling - ab 2004: Adolf Sauerland (besser bekannt als Sadolf Auerland) Egal. Wo war ich? Auftritt im Parkhaus. Genau. Nachdem das Event im Coolibri als Raggae-Event angepriesen wurde, hatten wir schon bedenken im Zuschauerraum hauptsächlich Kakerlakenschleudern in grün-gelb-rot zu sehen. In der Politik spricht man da auch gerne mal von der Jamaika-Fraktion. Dem war aber nicht so. Zum einen waren viele unserer eigenen Fangemeinde anwesend und zum anderen waren die Bob-Marley-Jünger optisch nicht so eindeutig zu identifizieren wie zuvor von mir vermutet. Außerdem befürchteten wir, dass die sich erschrecken würden, wenn Ollis verzerrte Gitarrenriffs auf der Eins, Zwei, Drei UND Vier in die Tiefe des Raumes gejagt werden, statt die des sonst beim Reggae eher üblichen sanften Sounds auf der Zwei und der Vier. Aber auch hier konnte zügig Entwarnung gegeben werden. Die Frisuren hielten. Nachdem wir „Homeland“ locker zum Abschluss gebracht haben, kam mein persönliches Trauma des Abends. Ich passte mich der relaxten Allgemeinstimmung an und freute mich gerade auf den zweiten Song, welcher „Breaking The Silence“ hieß. Das Flackern im Display meines Roland nahm ich eher beiläufig als fokussiert wahr. Doch hätte ich mich vor dem ersten Tastendruck vergewissern sollen, dass das alles noch so seine Richtigkeit hatte. Denn ich hatte Strom. Welchen und woher auch immer. Olli spricht da gerne mal vom kleinen „Itzebitz“, der mit Vorliebe im Stromkreis zwischen XLR- auf Klinkenkabel umher springt. Jedenfalls spiele ich alle anderen Songs in der Tonart, in der sie geschrieben wurde. Der Einfachheit halber gibt es eine Ausnahme: „Breaking The Silence“. Da spiele ich mit Transponierung. Und was auch immer dieser hundsgemeine Evonik-Enni-RWE-Mix angestellt hatte; er tötete diese. Also die Transponierung. Vom Feeling her hatte ich da in diesem Moment auf der Bühne ein ganz mieses Gefühl. Fragende Blicke der anderen fünf glorreichen Sieben trafen meine Augäpfel. Die Transponierung war weg und die Transpiration war da. Ich machte gute Mine, lächelte, tanzte mit und versuchte innerlich dehydrierend den „Reboot des Systems“. Kommt natürlich gut während des Songs herauszufinden, ob ich denn nun wieder in der richtigen Tonlage war. Zum Glück dauerte der Moment des Grauens nicht länger als 30 Sekunden. Es mag auch eine halbe Minute gewesen sein. Kurzfristig erreichte ich mein Idealgewicht, als der von mir gespielte Streichersound auch wieder mit dem Rest des Klanggefüges harmonierte. Nachdem der Stein aber wieder Teil meines Körpers war, hatte mich die Welt und meine Band wieder. Doof, dass ich keine Haare mehr habe. Die hätten die Entstehung des Feuchtbiotops oberhalb meiner Stirn unterbunden und die Wasserfälle über die Klippen unterhalb meiner Augenbrauen stürzend verhindert. Achsel war auch da. Dennoch legten wir einen gelungenen Restauftritt hin und auch unsere neuen Songs wie „Angel Of The Underworld“, „Surrender“, „Apologize“ und „One Life Divine“ kamen ganz gut an und wir fühlten uns sichtlich wohl auf der Bühne. An dieser Stelle noch mal einen herzlichen Dank an den genialen Tonmenschen, der einen Klasse Sound lieferte. Eine Weltpremiere gab es auch. „Moon & Stars“ gab es bisher nur auf CD. Endlich haben wir in mühevoller Kleinarbeit zwischen Okinawa, Ozaka und Ocarina eine Version kreiert, mit der wir uns auch live unters Volk wagten. Viel zu schnell gingen die uns zur Verfügung stehenden 1 ¼ Stunden um. Oder waren es 75 Minuten? Muss ich die Nicole mal fragen. Mit der Zeitumrechnung habe ich es nicht so. Erstaunlich, dass wir mittlerweile in der Lage sind, nur mit eigenen Songs ein über 90 Minuten dauerndes Konzert zu gestalten. Denn längst haben wir nicht alle Songs dargeboten, die wir so auf der Palette haben. Andererseits geht keiner unserer Songs unter fünf Minuten. Alles andere wäre für uns Pile-Palle. Wir schreiben eben nicht einfach nur Songs. Wir lassen sie „reifen“ und ernten erst kurz vor der Verwelkung. Danke auch noch mal an Uschi, die uns im Parkhaus so fantastisch unterstützt hat. Eigenen Angaben nach ist sie 79b Jahre alt. Von wegen „Schlagerkacke“ und „Volksmusikgemetzel“. „Rock“ ist angesagt. Danach war After-Show Party. Das hieß für uns Backstage mit Käsebrötchen und Kartoffelsalat. Nach einiger Zeit gesellte sich auch Olli zu uns. Seine Hose war zerrissen und sein T-Shirt zerfetzt. Er hatte, statt wie wir den Weg über die hauseigene Parkanlage zu nehmen, den Pfad durch die tobende Reggae-Menge gewählt und ist unterwegs von einer Horde sexsüchtiger Amazonen überfallen worden. Doch auf Nicole waren sie nicht vorbereitet, welche die ungeliebten Angreiferinnen dank ihres schwarzen Gürtels im Karaoke in die Flucht schlagen konnte. Ich bin lediglich Träger des grünes Sympathiebandes und war keine große Hilfe. MICH ignorierten die Amazonen. Aber es hätte schlimmer kommen können, wie die Leiterin eines Jugendorchesters nach der Generalprobe während des Besuchs des katholischen Gemeinderates erfahren musste: „Alle Bläser, die noch keinen Ständer haben bitte auf die Bühne kommen und sich einen runterholen!“ Ein Schelm, der dabei Böses denkt. Wir sehen uns in zwei Wochen beim Ententreff in Hünxe. Eintritt und Musik sind frei. Und der Rest kostet auch nicht viel. Uns höchstens Nerven, wenn unsere neue Anlage nicht feinjustiert werden kann oder sich der aktive Subwoofer als Passiv herausstellt. Aber das ist eine andere Geschichte. ***PEACE*** Yours Harry „Rasta-Man“ Onestone |